Voraussetzungen für die Schafhaltung

Schafe sind äußerst beliebte Nutztiere und die Hobbyschafhaltung hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Auch wenn Schafe schon seit Jahrtausenden als wichtige Woll-, Milch- und Fleischlieferanten eingesetzt werden, setzt man die Tiere heute vorrangig zur Landschaftspflege und als Freizeitbeschäftigung ein. Wer die Entscheidung getroffen hat, selbst Schafe zu halten, kann sich auf eine tolle Zeit mit den flauschigen Vierbeinern freuen. Nichtsdestoweniger birgt die Schafhaltung auch einiges an Arbeit. Selbst wenn man nur einige wenige Tiere für den Eigenbedarf halten möchte, darf die regelmäßige Betreuung, der Kostenaufwand  und die harte Arbeit auf keinen Fall unterschätzt werden.

Die Schafhaltung beansprucht viel Arbeit.

Vor der Anschaffung müssen sich zukünftige Schafhalter*innen über alle gesetzlichen Anforderungen zur Nutztierhaltung in ihrem (Bundes)Land informieren. Bei Landesschafzuchtverbänden werden diesbezüglich häufig Kurse oder Beratungen angeboten. Am Besten tauschen sich zukünftige Schafhalter*innen mit erfahrenen Züchter*innen aus, um sich bestens auf die Tiere vorzubereiten. Wer überstürzt in die Schafhaltung startet, kann vermutlich nicht das höchste Tierwohl für die Schafe garantieren. 

Wie viel Zeit beanspruchen Schafe?

Wie viel Zeit die eigene Schafzucht in Anspruch nehmen wird, lässt sich leider nicht pauschal beantworten. Als Grundlage könnte man einkalkulieren, dass zehn Mutterschafe täglich etwa eine Stunde Betreuung in Anspruch nehmen. Wer technisch besser ausgestattet ist und beispielsweise Stall und Weideflächen durch kurze Arbeitswege sehr zeitsparend angelegt hat, kann in derselben Zeit durchaus bis zu 30 Mutterschafe versorgen. Der Zeitaufwand pro Schaf richtet sich jedoch stark an den jeweiligen Lebensabschnitt der Tiere. Vor, während und nach der Ablammung benötigen die Tiere beispielsweise sehr intensive Betreuung. Das Hobby wird dann schnell zu einem anspruchsvollen Geschäft.

Buch-Empfehlung*:

Schafe halten: Artgerecht und natürlich von Kai Haus

Bevor man sich endgültig für den Schafkauf entscheidet, müssen der Zeit- und Arbeitsaufwand daher gut überlegt werden. Vor allem Milchschafe nehmen durch den Melkaufwand viel Zeit in Anspruch. Wer spontan in den Urlaub fahren möchte, muss eine zuverlässige und fachkundige Ersatzkraft zur Betreuung der Tiere finden. Die Tiere dürfen im Sinne des Tierschutzgesetzes niemals auch nur für wenige Tage ohne Betreuung verbleiben!

Während der Ablammungsperiode benötigen Schafe besonders viel Aufmerksamkeit.

Wie viel Futterfläche benötigen Schafe?

Unterschiedliche Schafrassen haben unterschiedliche Bedürfnisse. Ebenso variieren die Bodenqualität und Klima stark von Region zu Region. Als Faustregel kann man jedoch davon ausgehen, dass für zehn Mutterschafe mit Nachzucht ein Hektar Hauptfutterfläche einschließlich Winterfuttergewinnung zur Verfügung stehen muss. Viele Flächen sind daher schlichtweg zu klein für die Schafhaltung. Außerdem muss geprüft werden, ob die Tiere leicht vom Grundstück ausbüchsen könnten, der Untergrund zu feucht ist oder an stark befahrene Straßen angrenzt. Vor der Anschaffung muss auch geklärt werden, ob eine Weide fest eingezäunt werden darf. Wer einen Schafstall bauen möchte, benötigt eine entsprechende Baugenehmigung. Rücksprachen mit Nachbar*innen vor dem Kauf vermeiden zukünftige Probleme bezüglich Lärm- und Geruchsbelästigung. 

Informationsquellen:

  • Schafzuchtverbände
  • erfahrene Schafhalter*innen
  • Internet und Fachbücher

Welche Tiere entsprechen den eigenen Anforderungen?

Vor der Anschaffung müssen sich zukünftige Halter*innen auch Gedanken über die Anzahl der Schafe machen. Diese muss, wie bereits erwähnt, der zur Verfügung stehenden Futterfläche entsprechen. Unterschiedliche Rassen stellen unterschiedliche Ansprüche an ihr Umfeld. Vor dem Kauf sollte man daher unbedingt mit erfahrenen Halter*innen Rücksprache halten. Der Kaufzeitpunkt kann durchaus variieren. Wer die eigene Zucht in den Herbstmonaten startet, kann kostengünstigere Tiere als im Frühling erwerben. Überwintern die Tiere im Stall, können sich sowohl Schafe als auch Züchter*innen aneinander gewöhnen und eine gute Beziehung aufbauen. 

Wie viel kostet die eigene Schafhaltung?

Ebenso wie beim Zeitaufwand, lässt sich leider keine pauschale Zahl zu den Kosten der Schafhaltung nennen. Diese hängt stark von den eigenen Entscheidungen bezüglich Einzäunung, Stalleinrichtung, Futterversorgung und -lagerung ab. Vor dem Kauf muss geklärt werden, ob Heu zugekauft wird, welche Maschinen benötigt werden etc. Die Anschaffungen reichen von Motormähern mit Transportanhängern, über Viehtransportanhänger, Heuwerbemaschinen und Kreiselheuer und vieles mehr. Für die Stalleinrichtung benötigt man Tränken, Heuraufen, Futterwaagen, etc. Bei der Einzäunung kann man zwischen festen und mobilen Einzäunungen wählen. Die Pflege der Tiere beinhaltet Gabeln, Rechen, Schubkarren, Klauenscheren, Viehzeichenstife, Ohrmarkenzangen etc. Die Kosten der Erstanschaffung kann sich daher durchaus im fünfstelligen Bereich abspielen.

Die Schafhaltung unterliegt einer Reihe von Gesetzen.

Gesetzliche Anforderungen

Halter*innen von Schweinen, Schafen und Ziegen müssen ihre Tiere beim zuständigen Veterinäramt melden. Als Nutztierhalter*innen unterliegt man diversen Gesetzen und muss den eigenen Bestand melden, individuelle Tierkennzeichnungen (z.B. Ohrmarken), Bestandsregister und gezielte Stichtagsmeldungen befolgen. Für genauere Informationen sollten sich zukünftige Halter*innen an den Schafzuchtverband im eigenen Bundesland wenden. Auch eine Meldung bei den Tierseuchenkassen muss erfolgen. Achtung: Gesetzliche Grundlagen können sich laufend ändern!

Welche Gesetze sind zu beachten?

  • Tierzuchtgesetze des Bundes/der Länder
  • Tierschutzgesetzt
  • Tierschutz-Transportverordnung
  • Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung
  • Tierschutz-Schlachtverordnung
  • Tierschutz-Hundeverordnung
  • Viehverkehrsordnung 
  • Baurecht
  • Gewährleistungsrecht
  • Arzneimittelrecht
  • Agrarumweltmaßnahmen
  • Naturschutzrecht
  • Düngemittelrecht
  • Lebensmittelrecht
  • Futtermittelrecht
  • Weiderecht
  • Straßenverkehrsrecht
  • Produkthaftungsrecht
  • Handbuch “Zulassung Direktvermarkter”
  • Tierische-Nebenprodukte-Beseitungsgesetz
Ausgebüchste Schafe können Gründe für Unfälle sein.

Welche Risiken birgt die Schafhaltung?

Wie jede andere Art der Nutztierhaltung, bringt auch die Schafhaltung einige Risiken mit sich. Die Tiere könnten entweder selbst diverse Schäden erleiden oder Schäden verursachen. So können Schafe aus den Ställen oder von der Weide ausbüchsen und Verkehrsunfälle verursachen. Schafe können auch landwirtschaftliche Kulturen beschädigen. Schäden, welche die Tiere selbst erleiden umfassen Krankheiten, Unfälle bis hin zu Todesfällen. Leider kommt es auch hin und wieder zu Weidediebstählen und Unfällen durch streunende Hunde. Die Tiere können sich außerdem durch unsachgemäße Haltung verletzten. Hobbyschafhalter*innen sowie hauptberufliche Schafhalter*innen sollten immer eine Tierhaftpflichtversicherung abschließen! Die tägliche Kontrolle der Tiere hält man am besten schriftlich fest, um die Sorgfaltspflicht nachweisen zu können.