Endoparasiten

Wer Schafe hält, muss auf Parasitenbefall eingestellt sein. Endoparasiten, das sind Parasiten, die sich im Schafskörper einnisten, sind der Auslöser für eine Vielzahl von Krankheiten. Häufig vorkommende Endoparasiten sind beispielsweise Kokzidien (einzellige Parasiten), Leberegel, Bandwürmer, Lungen- und Magen-Darm-Wurmarten. Gelange Endoparasiten in den Körper, entziehen sie den Tieren wichtige Nährstoffe und scheiden gleichzeitig Giftstoffe aus. Endoparasiten schädigen außerdem das Körpergewebe und bestimmte Organe. Die Leistung der Tiere nimmt ab und ihr Wohlbefinden sinkt stark. Parasitenbefall kann oft im Tod der Tiere enden.

Endoparasiten erkennen

Leiden Schafe unter Endoparasiten, lässt sich dies meist am Verhalten der Tiere erkennen. Die Schafe wirken müde und apathisch, ihre Wolle ist stumpf und ihr After mit Kot beschmutzt. Endoparasitenbefall kann mittels Kotproben in einem Labor festgestellt werden. Beachtet werden muss, dass Endoparasiten auf Standweiden und in Ställen vermehrt auftreten. Achtung: Nicht alle von Würmern befallenen Tiere zeigen äußerliche Symptome. Regelmäßige Kotproben, z.B. in jährlichen Abständen, geben Auskunft über den Gesundheitszustand der Herde.

Endoparasiten vorbeugen

  • Häufiger Weideumtrieb in Abständen von zwei bis drei Wochen
  • Regelmäßig mähen und trocknen
  • Hochwertige Silage
  • Häufig nachmähen um nicht abgefressene Gräser von der Weide zu entfernen
  • Auf Sauberkeit bei Tränken und Tränkeplätzen achten
  • Nassstellen und Bäche auszäunen
  • Kranke oder neue Tiere nicht  auf die Herde lassen
  • Drei Wochen nach Ausbringen von Mist und Gülle nicht bestoßen

Würmer

Magenwürmern, Lungenwürmern, Leberegel und Bandwürmern zählen zu den häufigsten Weideparasiten. Sie gelangen auf der Weide in den Schafskörper und nisten sich an den unterschiedlichsten Körperstellen und Organen ein. Die Wurmeier werden über den Kot der Tiere ausgeschieden und von Zwischenwirten wie Insekten oder der Schlammschnecke aufgenommen. Wenn Schafe diese Zwischenwirte auf der Weide aufnehmen, gelangen die Würmer in gesunde Schafe und der Kreis schließt sich. Die Wurmlarven sind äußerst robust und können teilweise monatelang auf der Weide “warten”, bis sie ein Tier aufnimmt.

Ziegen und Schafe sind auf die gleichen Würmer anfällig.
Foto: Karl Sommersguter

Symptome von Wurmbefall

Ein Schaf mit Wurmbefall zeigt sich kränklich und müde. Die Tiere verlieren stark an Gewicht und ihre Schleimhäute sind gräulich blass. Wurmbefall zeigt sich außerdem in den meisten Fällen in starkem Durchfall oder, in fortgeschrittenem Stadium, im “Flaschenhals”, einer Schwellung des Unterkiefers. Wurmbefall kann im schlimmsten Fall zum Tod der Tiere führen.

Würmer diagnostizieren

Die Wurmbelastung der Tiere wird über Kotproben ermitteln. Man entnimmt Kot mit Zeige- und Mittelfinger aus dem Mastdarm des Schafes und schickt die Probe in einem Plastikbecher an das entsprechende Labor.  Züchter*innen können auch den Kot von mehreren Tieren als Sammelkotprobe untersuchen lassen. Nach der Kotuntersuchung kann gezielt gegen die unterschiedlichen Wurmarten vorgegangen werden. Zusätzlich zur Behandlung mit Entwurmungsmitteln müssen auch Stall– und Weidehygiene und das Futterangebot angepasst werden.

Die Behandlung von Würmern

Lange Zeit haben Züchter*innen bei Wurmbefall immer die gesamte Herde behandelt. Auch dann, wenn nur wenige Tiere Symptome zeigten. Bei übermäßigen Einsatz von Entwurmungsmittel laufen die Tiere jedoch Gefahr, eine Resistenz gegen die Präparate zu entwickeln. Die Meinungen über eine prophylaktische Entwurmung gehen daher heute stark auseinander. Denn werden nicht alle Tiere mit der Wurmkur behandelt, verseuchen nicht entwurmte Schafe die restliche Weide erneut. Um der Resistenzwirkung entgegen zu wirken, sollte allerdings möglichst wenig behandelt werden und unterschiedliche Entwurmungsmittelstoffklassen gewählt werden. Die Behandlung sollte auf jeden Fall mit den zuständigen Tierärzt*innen besprochen werden.

Gezieltes Weidemanagement

Neben der Behandlung mit Entwurmungsmittel muss, wie bereits erwähnt, auch die Stall- und Weidehygiene angepasst und entsprechendes Weidemanagement betrieben werden. Die Weide sollte während erhöhtem Larvenvorkommen vermieden werden. Vor allem zwischen der vierten und der zehnten Woche nach dem Weideumtrieb kann es zu erhöhtem Larvenvorkommen auf der Weide kommen. Diese Zeit sollte daher nicht auf der Weide verbracht werden. Wechseln die Schafe die Weide, bevor sie sich mit den Larven in der Grasnarbe anstecken können, reduziert man das Verwurmungsrisiko ohne Kostenaufwand durch Entwurmungsmittel. Schafe sollten das Gras der Weide außerdem nicht zu tief abgrasen. Die meisten Larven überleben in Bodennähe an den unteren 6 cm der Weidepflanzen. Grasen Schafe die Pflanzen tief ab, könnten sie mit hoher Wahrscheinlichkeit diese tief lebenden Larven aufnehmen.

Das Zusammenleben mit anderen Nutztieren

Viele Würmer können nur in bestimmten Nutztierarten wie Rindern, Pferden, Ziegen oder Schafen überleben. Werden Schafe zusammen oder abwechselnd mit anderen Tiergattungen gehalten, können diese die infektiösen Larvenstadien der Kleinwiederkäuer  aufnehmen und neutralisieren. Somit  kann der Infektionsdruck auf einer Weide reduziert werden. Achtung: Schafe und Ziegen sind auf dieselben Würmer anfällig. Schafen/Ziegen und Rinder dürfen nicht gleichzeitig auf der Weide gehalten werden. Schafe könnten das Ovien Herpesvirus auf die Rinder übertragen, welche bei Rindern häufig zum Tod führt.

Rinder und Schafe sollten nur abwechselnd gehalten werden.
Foto: Karl Sommersguter

Der rote Magenwurm

Eine besonders bedrohliche Wurmart ist der rote Magenwurm. Er nistet sich im Labmagen der Schafe ein, um dort ihr Blut zu saugen. Rote Magenwürmer können große Mengen an Blut saugen und dadurch eine Blutarmut der Tiere verursachen. Die Schafe können infolge sterben. Vor allem Lämmer erleiden in schlimmen Fällen einen plötzlichen Tod. Ein Hinweis auf einen Befall von roten Magenwürmer sind die Schleimäute der Tiere. Während gesunde Schafe rote Schleimhäute haben, sind die Schleimhäute kranker Tiere blass und gräulich. Auch hier zeigt sich eine Schwellung um Unterkiefer, der sogenannte “Flaschenhals”. Bei roten Magenwürmern muss so schnell wie möglich mit einer entsprechenden Behandlung gestartet werden.

Leberegel

Leberegel können zu großen Einbußen in der Nutztierhaltung führen. Es wird zwischen dem großen (und gefährlicherem) und dem kleinen Leberegel unterschieden. Als Zwischenwirt der Krankheit gilt die Schlammschnecke, die sich auf feuchten Weidenstellen sehr wohl fühlt. Feuchte Stellen sollten daher wenn möglich vermieden werden. Eine weitere Infektionsquelle ist frisches Heu. Sind Schafe vom Leberegel betroffen, verlieren sie stark an Gewicht und hören auf zu fressen. Weiters krümmen die Tiere ihren Rücken, knirschen die Zähne und leiden unter Atemnot. Leberegel können zum Tod der Tiere führen und müssen immer behandelt werden. 

Lungenwürmer

Lungenwürmer werden über das Futter aufgenommen, nisten sich jedoch, wie der Name bereits vermuten lässt, in der Lunge ein. Einmal in der Lunge, verursachen die Würmer starke Beschwerden der Atemwege. Symptome sind häufiges Husten der Tiere – jedoch ohne Fieber oder Appetitlosigkeit.