Das Mutterschaf

Allgemeines zur Fortpflanzung

Vor der Fortpflanzung muss sichergestellt werden, dass sich die Mutterschafe bester Gesundheit erfreuen und keine Zuchtfehler aufweisen. Die Schafe müssen sich in guter körperlicher Verfassung befinden und gut genährt sein, bevor sie gedeckt werden. Außerdem dürfen die Tiere nicht zu alt sein. Mit fünf Jahren nimmt die Leistungsfähigkeit eines Schafes kontinuierlich ab. Ab acht Jahren werden Tiere im Normalfall nicht mehr belegt.

Die Aufzucht eines Lammes ist für das Mutterschaf ein anstrengender Lebensabschnitt.

Besonderes Augenmerk muss auch auf den Klauen, vor allem jedoch auf dem Euter der Tiere liegen. Nur wenn das Euter gesund ist, kann ein Mutterschaf die eigenen Lämmer ernähren. Auch Scheidevorfälle, Schwergeburten, ein schlechter Allgemeinzustand und schlechte Muttereigenschaften sind Ausschlusskriterien für die Weiterzucht. Tiere mit hoher Fruchtbarkeit, die in einem hohen Ablammergebnis resultiert, und guter Säugeleistung (Lämmerzunahme) wählt man bevorzugt für die Weiterzucht aus. Die Geburt und Aufzucht der Lämmer stellt für die Mutterschafe eine äußerst anstrengende Zeit dar. Es wird daher empfohlen, Tiere erst nach 18 Monaten zu belegen, damit sie sich zuvor besser entwickeln können.

Der Zyklus

Ungedeckte Schafe haben einen 17-Tage-Zyklus. Nach 17 Tagen ist das Schaf für drei Tage empfängnisbereit. Der zweite Tag gilt als als sehr fruchtbarer Tag. Der Zyklus und die Lammzeit lassen sich durchaus ein wenig beeinflussen. Halten Züchter*innen den Zuchtbock weit entfernt von den Schafen, kann seine bloße Anwesenheit die Brunst der weiblichen Tiere auslösen. Die Tiere werden rasch gedeckt. Füttert man Schafe vor dem Decken mit eiweißreichem Futter, reifen ihre Eizellen vermehrt heran. Das Resultat sind Mehrlingsgeburten. Ein Aufstallen der Schafe und die Verlängerung bzw. Verkürzung der Lichtstunden kann den Schafen kürzere Tage vorspielen. Da beispielsweise die Nachfrage nach Lammfleisch sehr stark saisonal abhängig ist, wäre es wirtschaftlich nur klug, die Deckung danach auszurichten. Schlachtreife Lämmer zu Ostern verkaufen sich beispielsweise besonders gut.

Wer Mutter und Lamm eindeutig zuordnen will, kann sie „beschriften“.

Saisonaler Brunstzyklus

Die meisten Schafrasssen haben einen vom Tageslicht abhängigen Zyklus, der, im Normalfall, im Herbst einsetzt, wenn die Tage wieder kürzer werden. Nach einer Tragezeit von zirka 150 Tagen (+/- fünf Tage) kommen die Lämmer im Frühling zur Welt. Nachdem im Frühjahr die Weidesaison beginnt, kann das Muttertier so reichlich wachsendes Grün abgrasen und genug Milch produzieren. Auch die Lämmer können so bereits das frische Gras knabbern. Die wärmeren Temperaturen sind sowohl für Muttertier als auch Nachwuchs angenehmer. Saisonale Rassen sind unter anderem die Heidschnucke und die Zackelschafe.

Asaisonaler Brunstzyklus

Im Gegensatz zu den oben beschriebenen saisonal brünstigen Schafen, gibt es auch Schafrassen, die einen asaisonale Brunstzyklus haben. Hier handelt es sich meist um Rassen aus wärmeren Gebieten oder große Wirtschaftrassen. Asaisonale Schafrassen sind das ganze Jahr über empfangsbereit. Zu den asaisonalen Rassen zählen unter anderem die Dorper, Kameruner, Bergschafe und Merinoschafe. Auch wenn diese Rassen theoretisch das ganze Jahr über Lämmer gebären können, sind die erfolgreichsten Deckungen meistens in den Herbstmonaten. Der Zyklus asaisonale Rassen lässt sich leichter beeinflussen und die Lammungen relativ genau planen. Bei sehr guten Futterverhältnissen können bei saisonalen Rassen durchaus Tiere mit asaisonalem Brunstzyklus vorkommen.