Verhalten

Schafe sind typische Herdentiere mit klaren Rollenverteilungen. Jede Schafherde hat ein Leittier – meist ein erfahrenes Muttertier. Innerhalb der Herde schließen sich Familien zu eigenen Gruppen zusammen. Diese Gruppen bestehen oft aus einem Mutterschaf mit ihrer Tochter oder ihren Töchtern und deren Nachwuchs. Böcke werden getrennt von den weiblichen Schafen gehalten. Zur Paarungszeit treffen die beiden Geschlechter jedoch wieder aufeinander. Die Vorfahren des heutigen Hausschafes lebten in freier Wildbahn meistens in Herden zwischen 20 und 30 Tieren zusammen.

Schafe folgen stets ihrem Leittier.

Schafe verbringen einen Großteil ihres Tages mit fressen und wiederkauen. Sie selektieren das Futter auf der Weide und lassen sich die frischesten Kräuter zuerst schmecken. Ihre Nachtruhe verbringen Schafe am liebsten in einem übersichtlichen, witterungsgeschützten Ruheplatz. Schafe gelten als äußerst schreckhaft und suchen bei Gefahr instinktiv das Weite. Diese Eigenschaft hängt jedoch auch stark von der Rasse ab. Außerdem suchen Tiere immer Schutz in der Herdenmitte. Hören Schafe ungewöhnliche Geräusche, hören sie sofort auf zu fressen, heben den Kopf, laufen zusammen und folgen ihrem Leittier.

Nachdem sich die Tiere ein wenig entfernt haben, schätzen sie die Gefahrenlage erneut ein. Unter besonderen Umständen, beispielsweise wenn ein Mutterschaf ihr junges Lamm verteidigen will oder wenn sich sehr erfahrene Altböcke angegriffen fühlen, greifen Schafe durchaus mal an. Die Tiere senken ihren Kopf und rennen auf den/die Feind*in zu. Prinzipiell sind Schafe jedoch sehr friedliche und ruhige Wesen. Angriffe führen sie nur äußerst ungerne und bei großer Gefahr aus. 

Schafe erkennen die Geräusche ihrer Halter*innen.

Die Sinne

Schafe haben einen besonders ausgeprägten Geruchssinn. Böcke erkennen beispielsweise am Geruch der Schafe den richtigen Zeitpunkt zur Paarung. Mutterschafe erkennen ihre Lämmer nach der Geburt am Geruch. Herdenmitglieder beschnüffeln sich gegenseitig und erkennen sich am Geruch des jeweils anderen. Werden Schafe frisch geschoren, kann es durchaus vorkommen, dass die Herde das Schaf nicht sofort am Geruch wiedererkennt. Der Geruch spielt auch bei der Nahrungsaufnahme eine große Rolle, da die Schafe nur frisches Wasser gerne aufnehmen und einmal angeatmetes Heu verschmähen. Die Kommunikation innerhalb einer Schafgruppe findet über unterschiedliche Laute statt. Auch Gefahren können Schafe sehr gut über ihr Gehör erkennen. Die Tiere verfügen über einen 290° Rundum-Blick und können Gruppenmitglieder auch nach ihrem Aussehen einordnen.

Ihr Gemüt

Fühlen sich Schafe gestresst, können sie durchaus ungeduldig reagieren und “durchdrehen”. Im Umgang mit den Tieren sollten Halter*innen daher immer einen kühlen Kopf bewahren und vorsichtig agieren. In Ausnahmesituation, wenn zum Beispiel ein Hund die Herde aufgewirbelt hat, bedarf es einer besonders guten Beziehung zwischen Halter*innen und Schafherde. Um die Schafe an sich zu gewöhnen, sollte man täglich mit ihnen Sprechen, sie mit Leckereien anlocken und langsam aneinander gewöhnen. Nach einer Zeit erkennen Schafe die Geräusche ihrer Halter*innen.

Schafe fangen und umsetzen

Schafe einzufangen kann sich durchaus als schwierig erweisen. Spüren Tiere, dass sie gefangen werden sollen, fliehen sie. Fangversuche mit der Schäferkippe oder Fanghaken sollten daher beim ersten Versuch glücken. Wer Schafe in regelmäßigen Abständen mit kleinen Mengen Kraftfutter anlockt, kann einzelne Tiere leicht einfangen. Die Tiere sollten beim Einfangen in “die Enge getrieben” werden. So haben sie keine Fluchtmöglichkeit. Mehrere Tiere gleichzeitig fängt man am besten im Stall oder engen Pferchen aus Maschengitter, Metall- oder Holzhürden.
Achtung: Schafe niemals ans den Ohren festhalten!

Bei der Klauenpflege oder anderen Behandlungen muss das Schaf in eine Sitzposition verfrachtet werden. Dazu wird das Schaf aus dem Stand über das Knie des/der Halter*in in eine sitzende Position gebracht. Das Schaf wird angehoben und in der Luft gedreht. Das Tier wird am Hals und in der Weiche angehoben. Diese Handgriffe brauchen viel Routine! Die Sitzposition erweist sich für die Pflege als sehr praktisch, da sich die Tiere so kaum bewegen können. Dennoch sollte man immer vorsichtig vorgehen!